Der deutsche Dirigent Bruno Weil ist 28 Jahre alt, die jugoslawische Flötistin Irena Grafenauer gerade 20; Claudia Antonelli, die italienische Dozentin für Harfe am Konservatorium in Frosinone, ist 25 Jahre alt, und der deutsche Bratscher Wolfram Christ erst 22. Alle sind mehrfache Preisträger deutscher oder internationaler Musikinstitutionen und stehen am Beginn einer mehr oder weniger festen Karriere, am Beginn jenes nervenaufreibenden tagtäglichen, womöglich lebenslangen Bewährungsprozesses und eines Werbeprozesses um die Gunst der Medien und Konzertinstitutionen.
Der RIAS stellte in Zusammenarbeit mit dem Senator für Familie, Jugend und Sport die vier jungen Musiker in einem Konzert in der Philharmonie vor. Und man zögert als Schreibender über Musik in diesem Falle besonders, die üblicherweise erwarteten Bewertungstafeln zu heben: Zu unterschiedlich ist der Prozeß, in dem musikalische Begabung zu sich selbst findet, zu vielfältig und in diesem Alter meist noch unintegriert sind die Faktoren, in denen sich Begabung zur Musik äußert.
Besonders herzlich gefeiert wurde zu Recht in der Philharmonie der Bratscher Wolfram Christ, der Johann Christian Bachs Konzert für Viola und Streichorchester in c-Moll spielte. Christs Bratschenton kommt ungewöhnlich leicht, nahezu elegant daher; im langsamen Tempo vermag er, das Instrument zu singen. Die Musik wird mit Impetus gestaltet, strömt fort und hat doch Rundung auch im Detail.
Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-Dur KV 299, das Irena Grafenauer und Claudia Antonelli spielten, schien weniger geschlossen interpretiert. Die Italienerin hat einen sehr prägnanten, spitzig klaren Harfenton, den sie virtuos mit einer durchgehenden Neigung zum Beschleunigen ausspielte und vorzüglich zu phrasieren versteht. Die Flötistin, deren schlanke, klare Spitzentöne auffielen, blieb dagegen als Gestalterin der Flötenlinien mehr im Hintergrund. Vorläufig klingt das Instrument in den wechselnden Registern noch unausgeglichen.
Bruno Weil, der als Dirigent am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden verpflichtet ist, leitete das Konzert eher solido, auf Koordinierung bedacht in den Konzerten, mit einigem Impetus in Rossinis Ouvertüre La Cenerentola und in Beethovens achter Sinfonie. In der Schlußsinfonie zeigten sich Mängel in der dirigentischen Gestik, die körperbetont und zu wenig differenziert ist. Bedenklicher aber ist Weils Tendenz, den musikalischen Faden lediglich abspulen zu lassen, gelegentlich nur den Zeitprozeß zu akzentuieren. Vorausschauende Disposition eines Sinfoniesatzes, Gewichtungen nach Haupt- und Nebenstimmen sind für eine solche räumlich und vielperspektivisch gedachte Musik unumgänglich.
Die spürbare Routine, mit der das Radio-Symphonie-Orchester die Begleitfunktion in den Konzerten ausübte, wich erst in der Beethoven-Sinfonie stärkerem Engagement.